Spannende Leseprobe zu „Juister Angler“

Die Leseprobe zum neuen Ostfrieslandkrimi „Juister Angler“ von Sina Jorritsma, der die Neugierde bei Ostfrieslandkrimi-Fans weckt!

 

Ein weiterer spannender Fall von Ostfrieslandkrimi-Autorin Sina Jorritsma, die mit Humor und raffinierten Rätseln für unterhaltsamen Lesegenuss sorgt! Hier gibt es eine aufregende Leseprobe des Titels, der Lust auf mehr macht:

»Wer hat es denn auf Ihren Mann abgesehen?«, wollte Roland wissen.

»Das weiß ich leider nicht. Freddy hat immer versucht, diese Dinge von mir fernzuhalten. Aber eine Frau spürt natürlich, wenn es ihrem Gatten nicht gut geht.«

»Aus welchem Grund könnte jemand etwas gegen ihn haben?«, fragte Antje.

Viola Kuhlmann machte eine unbestimmte Handbewegung: »Wahrscheinlich ist es einfach Neid; Freddy ist ein erfolgreicher Bauunternehmer. Reichtum führt eben leider zu viel Missgunst. Und so mancher Kerl hätte gewiss auch gern eine Frau wie mich an seiner Seite.«

An Selbstbewusstsein mangelt es ihr jedenfalls nicht, dachte die Kommissarin, wobei sie sich ein Schmunzeln verkneifen musste. Viola Kuhlmann war zweifellos eine attraktive Frau, soweit Antje dies beurteilen konnte. Sie nahm sich vor, Roland so bald wie möglich nach seinem »männlichen Blickwinkel« zu diesem Punkt zu befragen.

»Wann haben Sie das letzte Mal mit Ihrem Ehemann gesprochen?«, wollte der Kommissar wissen.

»Gestern Abend, gegen 19 Uhr«, lautete die Antwort. »Wir hatten in unserem Ferienhaus diniert, danach verspürte ich allerdings starke Kopfschmerzen und habe mich gleich hingelegt. Freddy sagte, dass er noch einige Telefonate erledigen und dann nachkommen wollte. Aber als ich heute früh aufwachte, fehlte im ganzen Haus jede Spur von ihm!«

»Wir werden uns Ihre Urlaubsunterkunft genauer anschauen«, versicherte Antje, »und als Polizei haben wir auch die Möglichkeit, sein Handy zu orten.«

»Daran habe ich auch schon gedacht, Frau Fedder. Leider hat mein Mann sein Smartphone im Ferienhaus liegen gelassen – das tut er normalerweise nie, er hat es stets bei sich. Jemand muss ihn verschleppt haben!«

Oder er will nicht gefunden werden, dachte die Kommissarin. Sie hütete sich allerdings davor, Viola Kuhlmann diese Überlegung mitzuteilen. Jedes Kind wusste heutzutage, dass ein Mobiltelefon leicht angepeilt werden konnte. Wer untertauchen wollte, wurde als Allererstes ein solches Gerät los.

»Wo befindet sich denn Ihr Ferienhaus?«, wollte Roland wissen.

»Am Herrenpfad.«

Antje glaubte zu wissen, in welchem Objekt sich das Ehepaar eingemietet hatte. In der ruhigen Straße, die Richtung Strand führte, gab es mehrere Urlaubsunterkünfte. Aber nur eine davon kam für Juist-Gäste infrage, die offenbar ein Leben auf großem Fuß zu schätzen wussten.

»Haben Sie ein möglichst aktuelles Foto Ihres Gatten für uns?«, bat die Inselpolizistin.

»Selbstverständlich«, lautete die Antwort. Viola Kuhlmann hatte sich jetzt etwas beruhigt, sie schien nicht mehr so durcheinander zu sein, wie sie es bei ihrem Eintreffen auf der Wache gewesen war. Die Besucherin zog ihr Smartphone aus der Handtasche – es war natürlich ein Premium-Modell – und schaute ins Foto-Verzeichnis. Gleich darauf präsentierte sie den Ermittlern ein Bild, auf dem ein lächelnder Mann im Anzug zu sehen war. Er hatte eine Stirnglatze sowie einen kurz geschnittenen gepflegten Vollbart. Vom Alter her schätzte Antje ihn auf vierzig bis fünfzig. Im Hintergrund konnte man einen Rohbau sowie einen Kran, eine Betonmischmaschine und gelagerte Betonquader erkennen.

»Freddy ist ein Mann, der seine Arbeit liebt«, verkündete Viola Kuhlmann stolz. Nachdem die Kommissare ihre Mobilnummern genannt hatten, schickte sie ihnen die Aufnahme. Antje erhob sich von ihrem Bürostuhl und setzte ihre Dienstmütze auf: »Wir begleiten Sie jetzt zu Ihrem Feriendomizil und verschaffen uns dort einen Eindruck. – Sie sprachen davon, dass Ihr Mann bedroht wurde. Wie wirkte er gestern Abend auf Sie? War er verängstigt oder beunruhigt?«

Viola Kuhlmann schüttelte den Kopf: »Nein, überhaupt nicht. Freddy ist eine starke Persönlichkeit, er lässt sich nicht einschüchtern und versucht immer, allen Ärger von mir fernzuhalten.«

Antje erwiderte nichts, sondern aktivierte die Anrufumleitung auf ihr Handy. Die Juister Polizeistation war normalerweise nur mit ihr und Roland besetzt. In der Hochsaison konnten sie auf weitere Unterstützungskräfte vom Festland hoffen, aber die hierfür angekündigte Kollegin würde erst am nächsten Morgen mit der Fähre auf dem »Töwerland« eintreffen. Daher mussten die Inselpolizisten für ihre Erreichbarkeit sorgen, wenn sie aktuell nicht auf dem Revier waren.

Sie verließen zusammen mit Viola Kuhlmann die Polizeistation, die in einem roten Backstein-Einfamilienhaus untergebracht war. Im Erdgeschoss befand sich das Wachlokal mitsamt den Arrestzellen, das erste Stockwerk diente Antje als Dienstwohnung. Roland wohnte als Dauermieter in einer Pension. Die beiden waren zwar ein Liebespaar, aber es hatte sich für sie bewährt, nicht zusammen zu wohnen. Schließlich verbrachten sie ohnehin einen Großteil ihrer Zeit beruflich und privat Seite an Seite, da brauchte jeder von ihnen auch einen Rückzugsort.

Die Kommissarin spürte die Sonne auf ihrem Gesicht, als sie aus dem Gebäude trat. Schon so früh am Morgen konnte man die Sommerwärme spüren, die allerdings wegen der ständigen frischen Brise gut zu ertragen war. Von der Carl-Stegmann-Straße – wo sie sich befanden – bis zum Herrenpfad war es nicht weit; die Inselpolizisten nahmen trotzdem ihre Fahrräder mit, da sie sich auf der autofreien Insel meist auf zwei Rädern fortbewegten. Viola Kuhlmann hatte sich zu Fuß auf den Weg zu ihnen gemacht, daher schoben sie ihre Räder, während sie in Begleitung der Ehefrau unterwegs waren. Die Kommissarin versuchte, weitere Hintergründe zu erfahren: »Wer wusste von Ihrer Reise nach Juist? Könnte jemand, der Ihrem Mann feindlich gesonnen war, davon erfahren haben?«

»Ich weiß es nicht, Frau Fedder. Ich wünschte, dass ich Ihnen Namen nennen könnte. Aber Freddy weiß, wie sensibel ich bin und wie sehr ich mir die Dinge zu Herzen nehme. Er versucht, Probleme von mir fernzuhalten.«

»Trotzdem wissen Sie, dass er bedroht wird«, stellte Roland fest.

»Daheim in Hannover gab es öfter wüste Beschimpfungen per Telefon in unserem Privathaus«, berichtete die Ehefrau. »Als ich Freddy davon erzählte, ließ er sofort die Nummer ändern.«

»Hat er Anzeige bei der Polizei erstattet?«, hakte Roland nach.

»Das weiß ich leider nicht, Herr Witte. Mein Mann sagte nur, dass er sich um die Sache kümmern wollte und ich mir keine Sorgen machen müsse. Und danach hörten diese telefonischen Belästigungen ja auch auf, deshalb war ich nicht mehr beunruhigt.«

War Kuhlmann besonders fürsorglich – oder verheimlichte er wichtige Tatsachen vor seiner Frau? Nach Antjes Meinung sollte eine Ehe so etwas wie ein Team sein, wo beide Partner Sorgen und Freuden gleichermaßen miteinander teilten. Wenn sie und Roland irgendwann heiraten würden … sie zwang sich, den Gedankengang abzubrechen. Jetzt war nicht der passende Zeitpunkt für private Gefühle. Inzwischen hatten sie das Ferienhaus erreicht. Die Kommissarin lag mit ihrer Vermutung richtig – es handelte sich um ein erst vor wenigen Jahren errichtetes elegantes Gebäude aus weißen Backsteinen, das Platz für bis zu sechs Urlauber bot und über einen schönen Garten sowie eine Sonnenterrasse verfügte.

»Wie es aussieht, haben Sie Post.«

Roland deutete auf den metallenen Briefkasten, der sich unmittelbar neben der Haustür befand. Aus den Lüftungsschlitzen triefte Blut auf den Kiesweg und den Fußabtreter.

 

Klappentext

»Mein Mann ist plötzlich unauffindbar!« Gerade erst hat Kommissarin Antje Fedder die Polizeistation auf Juist geöffnet, da stürmt eine verzweifelt aussehende Frau herein.

Frederic Kuhlmann, ein erfolgreicher Bauunternehmer, wird seit dem gestrigen Abend vermisst. Antje Fedder und Roland Witte beginnen die Ermittlungen, da erreicht sie ein Notruf: Am Strand der Nordseeinsel liegt eine Leiche! Tatsächlich handelt es sich um den Vermissten.

Aber wer hatte ein Motiv, ihn umzubringen? Etwa die Ehefrau Viola Kuhlmann selber oder ein zwielichtiger Geschäftsmann, mit dem Frederic seine Leidenschaft für das Angeln teilte und dem er eine große Summe Geld schuldig war? Ist es ein Zufall, dass dieser gerade ebenfalls seinen Urlaub auf Juist verbringt? Auch die Art der Mordwaffe gibt zunächst Rätsel auf.

Schließlich weisen alle Indizien auf eine ganz bestimmte Person hin, doch dann erhalten die Kommissare einen Hinweis, und auf einmal scheint der Beweggrund für den Mord ein ganz anderer zu sein als bisher gedacht …

Der Ostfrieslandkrimi »Juister Angler« ist als Taschenbuch und E-Book bei den bekannten Anbietern erhältlich wie:

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Eine Übersicht über die Reihenfolge der Bücher finden Sie hier.

Mehr über die Kommissare Witte und Fedder können Sie im Steckbrief erfahren.

Das Team von Ostfrieslandkrimi.de wünscht viel Spaß beim Lesen!